Mérida, eine Kleinstadt im
südwestlichen Spanien, liegt an den Ufern des Flusses Guadiana in der Region Extremadura nicht weit von der portugiesischen Grenze entfernt. Vor
über 2000 Jahren wurde die Stadt von den Römern gegründet und Augusta Emerita
genannt: 25 v. Chr. ließ nämlich kein
geringer als Augustus (--> Augusta) auf dem Gebiet des
heutigen Mérida Veteranen (--> Emerita) der 5. und 6. Legion ansiedeln.
Etwas genauer ausgedrückt: Der frischgebackene Prinzeps des Imperium Romanum
schenkte seinen langjährigen treuen Soldaten Grund und Boden zur landwirtschaftlichen Bearbeitung
und unterstütze sie (finanziell) bei der Errichtung einer römischen Stadt.
Schnell entwickelte sich die Siedlung zu einer blühenden Stadt und zu einem der
wichtigsten politischen Zentren im römischen Iberien. Das ganze prachtvolle städtebauliche Programm Roms mit Tempeln, Theatern, Thermen usw., kurz gesagt: ein Abbild der Heimat in der Provinz, wurde
nach und nach in Augusta Emerita für die Veteranen und ihre Nachkommen verwirklicht.

Von diesem frühen Glanz kann man auch heute noch viel sehen: Wenn man mit dem Bus anreist, muss man vom Busbahnhof
aus erst den Guadiana überqueren, um von der Neustadt in die Altstadt Méridas mit ihren antiken Sehenswürdigkeiten zu gelangen. Der Freund der Antike benutzt
zur Überquerung natürlich die noch erhaltene, fast ein Kilometer lange römische Brücke. Auf dem Weg zum Amphitheater und Theater kann er einen Blick auf
den Aquädukt, den Tempel der Diana und den Resten des Forums werfen. Danach
muss er sich entscheiden, ob er sich sofort den beeindruckenden
Doppeltheaterkomplex anschaut oder erst das große Archäologische Museum
Méridas besucht, das sich direkt daneben befindet. Die Qual der Wahl ist
offensichtlich... Kurz gesagt: Die Stadt bietet alles, um einen Römerfan in
eine mittelschwere Entzückung zu versetzen. Im folgenden werde ich aber nur das Theater
beschreiben:

Grundriss des Theaters in Mérida
Schon in der frühen Stadtentwicklungsphase zwischen 16 und 15 v. Chr. wurde Méridas Theater eingeweiht. Seine heutigen Ausmaße
und Gestalt erhielt es aber erst später: Um 105 n. Chr. wurde die prachtvoll dekorierte Bühnenwand
errichtet, als Trajan, der berühmte Sohn der Nachbarstadt Italica,
gerade Kaiser des Römischen Imperiums war. 335 n. Chr. erfolgten weitere bauliche Veränderungen.

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Die cavea, der halbkreisförmige Zuschauerraum, lehnt sich griechischen Theatern ähnlich teilweise an einen Hügelabhang an. Sie bietet ungefähr 6000 Sitzplätze und ist in drei Abschnitte eingeteilt:
in ima, media und summa cavea.
Die ima cavea bilden die unteren 22 Stufen und waren sozusagen die Sitzplätze der zweiten Preiskategorie. Über 6 Zugänge
(vomitoria) konnte sie erreicht werden. Ihre drei unteren Sitzreihen werden im mittleren Bereich unterbrochen, in dem sich wahrscheinlich eine Kultstätte befand.

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Der mittlere und obere Zuschauerraum - media und summa cavea - haben jeweils 5 Sitzreihen. Hier
nahmen Personen mit dem geringstem Sozialprestige, z. B. Freigelassene und Nicht-Römer,
Platz. Media und summa cavea befinden sich heute in einem nicht mehr so gutem
Erhaltungszustand.
Die Loge dagegen bildet die dreistufige, mit Marmorplatten verkleidete Orchestra direkt an der Bühne. Sie war für die örtlichen Magistrate (Regierungsbeamten) oder sonstige hohe Persönlichkeiten reserviert. Über zwei besondere Eingänge, den aditus maximi, die sich an der linken und rechten Seite der Bühne befinden, konnten sie die Orchestra betreten.

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Die Schauspieler dagegen betraten die Bühne über 3 Zugänge durch das Bühnehaus: entweder durch den Haupteingang in der Mitte - valva regia - oder durch zwei seitliche Eingänge - valvae
hospitales/ hospitalium - . Hinter der Fassade des Bühnenhaus befinden sich Räume, in denen sie sich umgezogen und geschminkt haben. Hier waren wohl auch einige
Räumlichkeiten für die Bühnentechniker vorhanden (siehe Grundriss).

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Die Fassade des Bühnenhauses ist der archetektonisch aufwendigste und schönste Bereich des Theaters. Auf einem Unterbau aus Quadern, die
ursprünglich mit rotem Marmor verkleidet waren, ruhen zwei Säulen-Ebenen. Die korinthischen Säulen haben
Schäfte aus bläulichem Marmor, die Basen und Kapitellen bestehen aus weißem Marmor. Zwischen den Säulen sind Statuen aufgestellt, die u. a. Ceres, Pluto und Proserpina darstellen.

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Auch heute noch werden in Méridas Theater Bühnenstücke aufgeführt. Erwähnenswert
in diesem Zusammenhang ist besonders das seit 1933 stattfindende Festival des Klassischen Theaters:
http://www.festivaldemerida.com
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