Die Mostellaria (<Das Hausgespenst>) ist eine von rund 20 noch erhaltenen Komödien des römischen Dichters Plautus. Vermutlich wurde sie um 200 v. Chr. das erste Mal aufgeführt. Angaben hierzu liegen uns aber nicht vor. Allerdings kennen wir von 2 anderen plautinischen Komödien die Termine der Bühnenpremiere: Der Stichus wurde im Jahr 200 v. Chr., der Pseudolus im Jahre 191 v. Chr. aufgeführt. In diesem Zeitrahmen, vielleicht ein paar Jahre früher, vielleicht ein paar Jahre später, muss auch die Mostellaria entstanden sein.

Tranio (Andreas Reuter, links) begrüßt Theopropides (Georg Rommel, rechts) nach dessen Rückkehr von einer mehrjährigen Handelsreise.

Der Ort der Bühnenhandlung ist Athen. Die so klangvoll griechisch klingenden Namen der Schauspielerrollen - Philolaches, Philematium, Theopropides, Callidamates, ect. - müssen dem römischen Theaterbesucher immer wieder eindeutig vor Augen gehalten haben, dass Plautus mit seiner Mostellaria keine römische, sondern eine rein griechische Geschichte lustspielartig auf die Bühne bringt. Aber das Publikum war ja auch nichts anderes von ihm gewohnt: Alle seine Komödien spielen ja entweder in Athen oder zumindest doch irgendwo im griechischen Siedlungsbereich.

 

 

Der Landsklave Grumio (Annekathrin Sitte, links) greift Tranio heftig an und wirft ihm einen schlechten Lebenswandel vor.

So, nun aber konkretes zur Mostellaria: Theopropides, ein schon alt gewordener, reicher Grundbesitzer in Athen, ist schon drei Jahre lang (!) ununterbrochen von Hause fort, um Handelsgeschäfte im Ausland zu tätigen (Nein, damals hatten selbst die für damalige Zeiten hoch technologisierten Griechen noch keine Flugzeuge. Die Wege waren lang und mühsam, kurz gesagt: die Infrastruktur war eher wirtschaftsfeindlich). Hätte Theopropides in dieser Zeit erfahren, was seine Familie in der Heimat treibt, wäre er bestimmt schon früher zurückgekehrt (Nein, damals gab es noch nicht einmal Brieftauben, geschweige denn Handys. Also keine Möglichkeit für Theopropides, einmal zu Hause anzurufen und zu fragen: "Bist du auch artig, mein lieber Sohn Philolaches?").

Philolaches war aber nicht artig, sondern ziemlich verliebt. Verliebt in die Hetäre Philematium, die ihm den Kopf verdrehte und immer noch verdreht. Verliebt in die Hetäre Philematium, die er schließlich für sich freikaufte. Und um ihr zu imponieren, ließ und lässt Philolaches keine Gelegenheit aus: Er überhäuft sie mit unzähligen Geschenken und hält ein opulentes Fest nach dem anderen ab. 

Philolaches 
(Lars Saalow)

Philematium 
(Annekathrin Sitte)

Dabei wird er tatkräftig von seinem Lieblingssklaven Tranio unterstützt, der dem Leben im Saus und Braus auch nicht gerade abgeneigt ist. Schließlich jedoch sind die väterlichen Finanzen so stark strapaziert, dass ein Kredit aufgenommen werden muss. Eine Hiobsbotschaft nicht genug: Während eines üppigen Gelages taucht plötzlich Tranio hastig auf und verkündet lauthals, Theopropides sei zurückgekehrt. Er habe ihn gerade ausschiffen gesehen. Panik bricht aus, Philolaches bittet Tranio winselnd um Hilfe. Wie nun den ganzen Skandal, den Verlust fast des gesamten väterlichen Vermögens, vertuschen? Tranio weiß Rat und lässt kurzerhand die ganze Partygesellschaft sich im Hause verstecken. 

Tranio berichtet aufgeregt Philolaches und Philematium von der unerwarteten Rückkehr des Theopropides, den er gerade am Hafen gesehen hat, als er Fische für das Abendessen einkaufen wollte.

Schließlich taucht Theopropides auf und merkt, dass sein Haus verschlossen ist. Selbst nach mehrmaligen, energischen Klopfen öffnet keiner ihm die Tür. Dafür aber erblickt er Tranio auf der Straße. Der verkündet ihm, man habe das Haus verkaufen müssen, weil Gespenster in ihm herumgehen. Der Vorbesitzer des Hauses habe nämlich einen Gast aus Geldgier erschlagen und ihn im Hause verscharrt. Nun rächt sich der Geist dieses Ermordeten und spukt durch das Haus. Entsetzt flieht Theopropides. Tranio hofft, dass er ihm einen so großen Schrecken eingejagt hat, dass er nie mehr zurückkehrt.

  

Kurze Zeit später jedoch taucht Theopropides wieder auf und berichtet Tranio, dass der den Vorbesitzer seines Hauses gesprochen habe. Dieser leugne aber, jemanden ermordet zu haben. Noch bevor Tranio antworten kann, tritt plötzlich der Wucherer auf und fordert von Tranio die Zahlung der Zinsen und die Rückerstattung des ausgeliehenen Kapitals. Nun ist Tranio in einer fast aussichtslosen Position, denn Theopropides ist natürlich über die Kreditaufnahme stark verwundert und verlangt Rechenschaft. Doch auch jetzt findet der geistreiche Sklave einen Ausweg: Philolaches habe den Kredit aufnehmen müssen, um sich ein neues Haus zu kaufen. In dem alten könne man ja schließlich nicht mehr wohnen. "Welches Haus hat mein Sohn denn gekauft?", fragt Theopropides. Wiederum hat Tranio sofort eine Notlüge parat: "Hier vom nächsten Nachbar, von Simo, hat dein Sohn das Haus gekauft." ...

Eine Zeitlang gelingt es Tranio noch, Theopropides immer wieder an der Nase herumzuführen und seine Schäfchen im reinen zu halten. Endlich jedoch fliegt der ganze Skandal auf. Theopropides ist so ungehalten, dass er Tranio am liebsten verbrennen lassen ließe. Doch der beste Freund von Philolaches, Callidamates, appelliert an Theopropides´ gutes Herz und erreicht schließlich, dass nicht nur Philolaches, sondern auch Tranio ohne Strafe bleibt. Ende gut, alles gut.

Die Mostellaria: ein Meisterwerk des Intrigenspiels, in dem Plautus geschickt die Rollen des gerissene Sklaven Tranio ("servus callidus") und des dummen Alten Theopropides ("senex stultus") einander gegenüberstellt.

 

Der Lügenbaron Tranio erzählt.

Der Wucherer
(Astrid Baumann)


Größere Bilder sind in der Bildergalerie vorhanden.

 

© Andreas Reuter