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Theatergattungen

Das flavische Amphitheater (Kolosseum) in Rom

Wer im antiken Rom Unterhaltung im größeren öffentlichen Rahmen suchte, der hatte dazu im wesentlichen drei Gelegenheiten:

Man konnte den Circus besuchen, um dort packenden Wagenrennen beizuwohnen. Schenkt man Juvenals berühmtem Vers "panem et circenses" Glauben, so waren die Zirkusrennen die Hauptunterhaltung im nachchristlichen Rom. Zumindest fasste der Circus Maximus die größten Zuschauermengen.

Das Amphitheater bot die Möglichkeit, sich blutige Gladiatorenkämpfe oder Tierhetzen anzuschauen. So blutig, wie mancher Hollywood-Streifen suggeriert, ging es aber nicht vonstatten: Die bei weitem meisten Kämpfe endeten, ohne dass einer der Kontrahenten sterben musste.

Und schließlich gab es noch das Theater, in dem szenische Bühnenwerke, d. h. Komödien und Tragödien, aufgeführt wurden. Da sie häufig von Musik begleitet wurden, könnte man römische Theaterstücke heute am ehesten mit Operetten vergleichen.

Bei den lustspielartigen Theaterdarbietungen, den Komödien also, unterschied man im alten Rom zwischen mehreren Gattungen:

Das Forum Romanum nachts: Links im Vordergrund der Saturntempel, rechts im Hintergrund das Kolosseum

Nun zur Tragödie: Sie spielte eine wesentlich geringe Rolle als die Komödie und blieb den Römern eher fremd. Die römischen Tragödiendichter orientierten sich ebenfalls am griechischen Kunstdrama und schufen wie im Falle der Komödie eine römische Sonderform: die sogenannte fabula praetexta ("Tragödie im römischen Staatsgewand"), bei der Schauspieler in der purpurgesäumten toga praetexta auftraten und römische Helden spielten. Aufgrund des mangelnden Erfolges dieser Gattung verwundert es nicht, dass die letzte Aufführung einer Tragödie nach griechischem Vorbild für die erste Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts belegt ist: Danach verschwand sie vollständig aus den Theaterprogrammen.

Überhaupt war damit die Zeit der griechischen Theaterspiele (ludi Graeci) vorüber, denn spätestens zum Beginn der Kaiserzeit fanden auch die am hellenistischen Kunstdrama sich orientierenden Komödiengattungen, die fabula palliata und die fabula togata, kaum noch Beachtung in Rom. Nun dominierten die sogenannten römischen Theaterspiele (ludi Romani): Zu nennen seien die Atellane und vor allem der Mimus, die sich auch weiterhin allgemeiner Beliebtheit erfreuten. Tatsächlich aber beherrschte der Pantomimus, eine neue, vorwiegend tragische Form des Bühnenspiels, die Theaterhäuser in der Kaiserzeit. Ein einziger, jeweils anders maskierter und kostümierter Schauspieler, der alle Rollen übernahm, spielte einen historischen oder mythologischen Stoff in einer Abfolge von solistischen Szenen mit Tanzeinlagen. Wie der Name Pantomimus (<einer, der alles nachahmt>) es schon verrät, sprach er dabei kein Wort, sondern wurde von einem Chor und einem Orchester begleitet.
  


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© Andreas Reuter