Seite 1: Theatergattungen  Seite 2: Die Zeit bis 55 v. Chr.
 Seite 3: Architektur Seite 4: Dichter, Schauspieler, Ruhm...

Architektur

Auf dieser Seite wird auf die römische Theaterarchitektur und auf die Sitzordnung in den Theaterbauten eingegangen. 

  Vereinfacht gesehen gliedert sich ein römisches Theater 

       - in einen Zuschauerraum und     - in einen Bühnenkomplex.

   

Der Zuschauerraum (cavea) besteht aus ansteigenden Sitzreihen, die halbkreisförmig angelegt sind. Man erreicht diese Sitzreihen durch mehrere Zugänge. Ein solcher Zugang heißt vomitorium (von vomere = ausspeien, weil es von der Bühne aus so aussieht, als ob die vomitoria die Zuschauermengen ausspeien). Die einzelnen Sitzplätze konnte man durch Korridore (praecinctiones) und durch Treppen erreichen. Einen durch Treppen und Korridore abgegrenzten Zuschauerblock nannte man cuneus (=Keil). Den oberen Abschluss des Zuschauerraumes bildet sehr häufig eine überdachte Galerie oder Säulengang (porticus). Über die Sitzreihen konnte auch noch bei sehr heißem Wetter ein Sonnensegel gespannt werden, dessen Verankerungen sich an der Außenwand in der Höhe der Galerie befanden.

  
Der antike Theaterbesucher durfte sich nicht dorthin setzen, wo es ihm gerade beliebte: Die Verteilung der Plätze hing vom politischen oder wirtschaftlichem, kurz gesagt: vom sozialen Status des Besuchers ab. Was die Stadt Rom anbelangt, nahmen die Senatoren oder andere hohe Regierungsmitglieder entweder in der
Orchestra, der halbkreisförmigen Ebene direkt vor der Bühne, oder in den ersten Reihen der Tribüne Platz. Für diese politischen Schwergewichte gab es auch noch besondere Zugänge, und zwar die aditus maximi: Diese verliefen direkt am Bühnenkomplex entlang und mündeten von zwei Seiten in die Orchestra. Die nachfolgenden 14 Reihen der Tribüne waren dem Stand der equites vorbehalten (es gibt leider keine gute Übersetzung für dieses Wort: Equites waren römische Bürger, die meist aufgrund erfolgreicher wirtschaftlicher Tätigkeit ein großes Vermögen besaßen, aber keine politischen Ämter bekleideten). Für die anderen Sitzreihen bestand freie Platzauswahl: Hier ließ sich der einfache Bürger nieder.

  

Der Bühnenkomplex, der sich nahtlos an den Zuschauerraum anfügte, bestand aus dem Bühnenhaus (scaena) und der eigentlichen Bühne (pulpitum). Die Bühne war aus akustischen Gründen aus Holz gefertigt, ruhte aber auf einem Steinsockel. Unter ihr befanden sich in einem weiteren Raum noch Hebe- und Versenkungsmaschinen. Über der Bühne war zum Schutze vor Witterungseinflüssen ein Dach am Bühnenhaus befestigt, das meist drei Stockwerke hoch und häufig prächtig mit Säulen, Fenstern und Nischen geschmückt war. Im Inneren des Bühnenhauses befanden sich, wie nicht anders zu erwarten, die Garderobe und sonstige zum Theaterbetrieb notwendigen Räume.
  
 


Bilder erhaltener römischer Theater finden sich in den Abschnitten Theater in Italica und Theater in Mérida.

Seite 1: Theatergattungen  Seite 2: Die Zeit bis 55 v. Chr.
 Seite 3: Architektur Seite 4: Dichter, Schauspieler, Ruhm...

 

© Andreas Reuter