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Dichter, Schauspieler, Ruhm...

Von den römischen Theaterstücken sind uns nur eine Tragödie des Seneca, dafür aber 20 Komödien des Plautus und 6 Komödien des Terenz vollständig erhalten. Seneca lebte im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, Plautus und Terenz wirkten um 200 vor Christi Geburt. Insbesondere ihre Komödien müssen über viele Jahrhunderte hinweg ein großer Erfolg gewesen sein, denn sonst hätte man sich wohl kaum die Mühe gemacht, ihre Werke so häufig abzuschreiben und so lange aufzubewahren, dass sie von Generation zu Generation, von Zeitalter zu Zeitalter, kurz gesagt: von 200 v. Chr. bis heute, weitergereicht wurden (Mehr zu den Dichtern in der Rubrik "Theaterdichter"). Trotzdem waren Theaterstücke im Imperium Romanum nicht die alleinigen Kassenschlager: Die Konkurrenz im Unterhaltungssektor war mächtig und schlief nicht. Weitere Publikumsmagneten waren Gladiatorenkämpfe im Amphitheater oder Wagenrennen im Circus, deren Beliebtheit besonders in der Kaiserzeit überproportional anstieg. 

Das flavische Amphitheater (um 80 n. Chr.) fasste etwa 73.000 Zuschauer. Die 3 Theater in Rom, das Pompeius-, das Marcellus- und das Balbus-Theater, konnten so viele Zuschauer noch nicht einmal alle zusammen aufnehmen. Die riesigen Ausmaße des Amphitheaters, eine Elipse von 188 x 156 Meter, zeigen ebenfalls deutlich die Beliebtheit der Gladiatorenkämpfe in der Kaiserzeit.

Und die Schauspieler? Einen weltweiten Ruhm wie Hollywoodstars konnten sie natürlich aufgrund mangelnder Übertragungsmedien nie erreichen. Einen richtigen Starkult  erlangten gelegentlich die kaiserzeitlichen Pantomimendarsteller, die sich konkurrenzlos in ihren solistischen Auftritten vor einem großen Publikum profilieren konnten. In der Regel jedoch war es um das Ansehen der Schauspieler und der Schauspielkunst eher schlecht bestellt, denn im Wertekanon der führenden aristokratischen Schicht galt der Beruf des Schauspielers als unanständig und ehrenlos. Der berühmte Redner und römische Musteraristokrat Cicero lässt diese gesellschaftliche Herabstufung in seiner Rede für den Schauspieler Roscius ziemlich eindeutig durchschimmern: "Roscius", so schreibt er, "ist ein so vortrefflicher Künstler, dass er eigentlich der einzige ist, welcher auf der Bühne auftreten sollte, aber er ist zugleich als Mensch so vortrefflich, dass er allein es verdiente, gar nicht auftreten zu müssen." 
Daher rekrutierten sich Schauspielertruppen nicht aus römischen Bürgern, sondern aus Bürgern fremder Städte, aus Sklaven oder Freigelassenen, d. h. aus Personen, die entweder gar keine oder nur teilweise im Besitz der römischen Bürgerrechte waren. Wenn man nun an die gesellschaftliche Diffamierung des Schauspielerberufes, an die eben beschriebene Zusammensetzung der Theatergruppen und auch an den teilweise obszönen Inhalt der Bühnenstücke denkt, kann es nicht verwundern, dass der Schauspielerstand nicht besonders angesehen war, dass man Schauspieler im antiken Rom häufig mit unehrenhaft entlassen Soldaten, Kupplern, Dieben und Betrügern gleichsetzte und der Gesetzgeber schwerere Bestrafung als bei "gewöhnlichen" Menschen gegen sie bei einem Vergehen zuließ. Das folgende makabere Beispiel aus der römischen Rechtspraxis diene als Illustration:
Ein römischer Bürger, der seine Frau mit einem Schauspieler im Bett erwischte, durfte den ertappten Ehebrecher sofort töten, ohne hinterher eine gerichtliche Untersuchung zu erwarten. Gott sei Dank haben sich die Zeiten geändert!

Blick auf das Forum Romanum, das antike politische Zentrum Roms. Links der Triumphbogen des Septimius Severus, rechts die Curia Julia, die Sitz des Senates seit der Diktatur Caesars war.

Trotz dieser von höchster politischer Ebene betriebenen gesellschaftlichen Diffamierung konnten die Schauspieler, wie schon oben erwähnt, teilweise große, vereinzelt sogar fanatische Bewunderung erreichen: Manchmal wurde ein Schauspieler sogar durch Verleihung des Bürgerrechts, durch eine Statue, eine Inschrift oder einen hohen Geldbetrag besonders geehrt. Liegt hier ein Widerspruch vor? Nein, denn das durchschnittliche Theaterpublikum bestand aus ganz normalen begeisterungsfähigen Zuschauern, die sich von der Theaterkunst verzaubern lassen konnten und sich weder von den aristokratischen Moralvorstellungen noch vom allgemeinen Hass der römischen High Society gegen die Schauspieler besonders beeindrucken ließen. Und selbst die Aristokraten standen manchmal im Bann einer guter Theateraufführung. Ja, es soll sogar einige so verrückte Theateranhänger unter den römischen Bürgern gegeben haben, die irgendein Verbrechen begingen, um für unehrenhaft erklärt zu werden, und damit die Voraussetzungen schufen, selber einmal "standesgemäß" auf der Bühne auftreten zu können...
  


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© Andreas Reuter