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Hier sind einige wenige, eher allgemeine Aufführungstipps aufgelistet. Für Anregungen und Kritik an meinen Ausführungen bin ich dankbar.
| Eine Aufführung eines antiken Dramas sollte möglichst in übersetzter Fassung über die Bühne gehen. |
Eine römische Komödie zum Beispiel heute in der Originalsprache, sprich lateinisch, aufzuführen, halte ich für ein ziemlich schwachsinniges Unternehmen. Wer versteht denn noch gesprochenes Latein? Gewiss ist Latein eine sehr bedeutende Kunst- und Kultursprache. Die Sprache der alten Römer ist wahrscheinlich das größte und wichtigste gemeinsame kulturelle Erbe des europäischen Raumes und Lateinkenntnisse für jeden Europäer unverzichtbar, wenn er von sich behaupten will, dass er etwas gebildet ist. Leider aber wird die Sprache der alten Römer nicht mehr gesprochen und daher auch nicht mehr auf mündlichem Wege verstanden. Das gleiche gilt auch für Alt-Griechisch.
Da jedoch ein Theaterstück nicht nur von dem gesprochenen, sondern auch von dem verstandenen Wort lebt, ist von einer Inszenierung eines antiken Dramas in Originalsprache dringendst abzuraten. Diese Empfehlung sollte man aber nicht absolut sehen: Ein oder zwei Passagen, die zum Verständnis des Stückes eher unwichtig sind, können durchaus lateinisch oder griechisch wiedergegeben werden, um den Zuschauer einmal einen Originalklang und -eindruck zu vermitteln. Das wäre vielleicht sogar ratsam. Und schließlich: Wenn man ausschließlich vor der versammelten Elite lateinischer oder griechischer Hochschuldozenten spielt, die die alten Sprachen noch auf mündlichem Wege verstehen, dann ist sogar eine Inszenierung in der Originalsprache erwünscht und fast unerlässlich. Wie heißt es so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel...

| Erstellen eines Theaterskripts |
Der bequemste Weg ist folgender: Man suche eine gute Übersetzung eines antiken Dramas und plane dann, das Stück in Originallänge ohne Veränderungen aufzuführen. Das wäre es dann... Davon rate ich aber ab, es sei denn, eine professionelle Theatergruppe möchte sich eines antiken Dramas annehmen. Selbst dieser jedoch würde ich einige Kürzungen empfehlen: die langen Monologe antiker Dramen finde ich eher unangenehm und langweilig. Das soll nicht heißen, dass diese Monologe qualitätslos sind: Doch was dem waschechten Philologen ein großes Vergnügen ist und antiken Zuschauern zur höchsten Freude gereichte, muss dem heutigen durchschnittlichen Theaterzuschauer noch lange nicht gefallen. Teilweise kann man die langen Monologe ganz weglassen, teilweise muss man sie stark kürzen, sonst wird das ganze Geschehen auf der Bühne zu statisch und ermüdend. Auch an den Dialogen kann man hier und dort etwas entfernen, wenn sie langatmig werden. Diese Empfehlungen bedeuten aber nicht, dass antike Dramen von mittelmäßigen Autoren ohne Begabung stammen. Ganz im Gegenteil: Es waren echte Genies! Sie haben jedoch für ein anderes, nämlich das antike Publikum, geschrieben. Und dieses Publikum hatte andere Vorlieben und Neigungen, bevorzugte Inszenierungen mit anderen Schwerpunkten und Akzentsetzungen. Dem mussten die antiken Autoren natürlich gerecht werden. Heute sollte man aber lieber etwas in die Textgestaltung und -länge der antiken Dramen eingreifen. Auch Plautus ist gewissermaßen nicht anders vorgegangen: Er hat seine Theatervorlagen, die er von griechischen Schriftstellern übernahm, dem Geschmacke des römischen Publikums angepasst. Gekürzt aber hat er sie zugegebenermaßen nicht.
Wie stark man nun oder ob man überhaupt kürzt, sei jedem Regisseur selber überlassen. Die Mostellaria und die Menaechmi des Plautus kann man ohne Schwierigkeiten im Extremfall sogar bis auf eine 35- bis 45-minütige-Inszenierung zusammenstreichen, die immer noch qualitätsvoll ist: Dann können sich sogar Amateur- oder Schülertheatergruppen ohne allzu großen Zeitaufwand an die Aufführung einer antiken Komödie wagen...

| Kostüme |
Antike oder wenigstens antik aussehende Gewänder herzustellen, ist gar nicht so schwer. Alles was man braucht, sind Bettlaken, ein Band und ein paar Sicherheitsnadeln. Wenn es etwas eleganter aussehen soll, kommt anstelle der Nadeln eine Nähmaschine zum Einsatz. Um eine gewisse Einfarbigkeit zu vermeiden, kann man einige Bettlaken noch färben: auch in der Antike waren die Gewänder eher kräftig bunt. Pro Schauspieler kann man 1 bis 2 Bettlaken veranschlagen. Das einfache Kostüm besteht nur aus einem Untergewand: Das Laken so verknüpfen, dass oben 3 große Öffnungen für Kopf und Arme vorhanden sind, dann das Kostüm anziehen und um die Bauchgegend noch mit einem Band zuschnüren, und fertig ist das einfache Gewand. Schön wirkt dann noch ein Überwurf aus einem zweiten Bettlaken, der über die rechte oder linke Schulter getragen wird: Das ist auch schon die aufwendigere Ausführung. Noch zu beachten ist, dass man die Gewänder nicht eng, sondern großzügig weitläufig tragen sollte. Wie solche Kostüme aussehen, kann man in unseren Bildergalerien überprüfen.
Als Schuhwerk sind einfache Sandalen zu verwenden. Wenn es etwas originaler aussehen soll, kann man sich auch rekonstruierte römische Schuhe beschaffen, und zwar online unter der URL http://www.roemer-shop.de.
Masken sind nicht unbedingt nötig. Auch in der Antike hat man nicht immer mit Masken gespielt. Einerseits haben sie zwar eine gewisse faszinierende Wirkung und können auch aus langweiligen Schauspielergesichtern aufregende Gestalten erzeugen, andererseits behindern sie aber stark die Mimik und schränken den Schauspieler in seinen Ausdrucksmöglichkeiten ein.

| Inszenierungsfragen |
Wieviele Schauspieler man für eine Inszenierung braucht, hängt u. a. natürlich vom Theaterstück selber, von den Fähigkeiten der einzelnen Schauspieler und von der Frage, ob man mit oder ohne Masken spielt, ab. Um eine Plautuskomödie aufzuführen, reichen stets 5 bis 7 Schauspieler: Einige Doppelrollen müssen zwar auch bei 6 bis 7 Schauspielern vergeben werden, aber durch unterschiedliche Kostümierung wird der Zuschauer wohl kaum verwirrt. Wenn man mit Masken spielt, kann man eigentlich immer mit 5 Schauspielern auskommen: Für die 5 wird es aber ziemlich stressig...
Originalgetreue oder moderne Inszenierung eines antiken Dramas? Bei dieser Entscheidungsfrage würde ich mich eher für eine antike, d. h. mehr oder weniger originalgetreue Inszenierung, entscheiden. Aber auch moderne Inszenierungen haben einen besonderen Reiz. Allerdings sollte man dann stärker in die originale Textgestalt eingreifen und den Text etwas modernisieren. Die beste Art der Inszenierung ist vielleicht der Mittelweg zwischen beiden Extremen: im Prinzip originalgetreu, aber mit einigen modernen Elementen, kann ein antikes Drama auf der Bühne ganz besondere Effekte erzielen. Warum denn nicht einmal einen Frauenhelden irgendeines antiken Dramas mit einem Playboy-Magazin in der Hand auftreten lassen? Der Lacheffekt oder das Staunen ist gerade dann groß, wenn er mit Toga und Tunica bekleidet ist. Warum nicht zwischen den Szenenübergangen moderne Musik spielen? Gerade die deutsche Schlagermusik bietet ein unerschöpfliches Reservoir, um z. B. Plautuskomödien modern zu kommentieren. Großes Gelächter ist garantiert! Warum den nicht den eingebildeten Großkotz eines antiken Stückes mit alten Gewändern, einer Sonnenbrille und einer dicken Zigarre auftreten lassen? Einmal abgesehen davon, dass auch in diesem Fall gelacht und gestaunt wird: Auf diese Weise kann man auch eine Brücke von der Antike zur heutigen Zeit schlagen und zeigen, dass die Menschen, ihr Verhalten und ihre Probleme sich nicht besonders verändert haben, dass einem die Antike näher ist, als man glaubt.
Apropos Musik: Musikalische Begleitung in irgendeiner Form ist generell empfehlenswert. Auch in der Antike wurden Theaterstücke mit Musikeinlagen ausgeschmückt.

| Vor der Aufführung ... |
... empfehlen wir allen Schauspielern zur Nervenberuhigung einen guten italienischen Wein (Südhang, Vulkanboden, mindestens 3 Jahre alt) und Unmengen an Schokolade.