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Der Titel dieser späten, wohl um 190 v. Chr. aufgeführten Plautus-Komödie
weckt falsche Erwartungen: Truculentus spielt nur eine unbedeutende Nebenrolle
als Sklave des Strabax. Eigentlich könnte er auch mühelos ganz aus der Komödie gestrichen werden, ohne dass
Handlungsablauf oder Sinn der Komödie in geringster Weise gestört werden. Zwei
Gründe für diese scheinbare Fehlbenennung der Komödie könnten vorliegen:
- Die Komödie ist nur teilweise oder schlecht überliefert. Szenen,
in denen Truculentus auftrat, könnten in späteren antiken
Bearbeitungen herausgeschnitten oder bei der schriftlichen
Überlieferung ausgelassen worden sein. Sehr bruchstückhaft wirkt die
Komödie allerdings nicht.
- Der Titel der Komödie könnte falsch überliefert
sein.

Diniarchus und Astaphion bei der Probe
Ein (vermeintlich) besserer Titel nähme Bezug auf das Hetärenwesen in Athen
oder würde gleich den Namen der "Heldin" Phronesion nennen. Die
Hetäre Phronesion bildet nämlich personell den Dreh- und Angelpunkt dieses
(aus Sicht der Männer) fast tragischen Lustspiels. Thematisch steht die clevere
Skrupellosigkeit der Frauen im Vordergrund, die über die naive und grenzenlose
Dummheit der Männer siegen. Zwei Hauptdarstellergruppen stehen sich gegenüber,
um dieses Spannungsfeld zu erzeugen:

Diniarchus und Phronesion
- Die Hetäre Phronesion und ihre "Beraterin" Astaphion, die nur
danach trachten, wie sich die von Phronesion angebotenen Liebesdienste in
klingende Münze wandeln lassen. Für die beiden gewissenlosen Profis ist
Liebe nur eine Ware zur Kapitalerhaltung und -vermehrung. Wahre Gefühle
scheinen sie nicht zu kennen.
- Diniarchus, Strabax und Stratophanes, die Möchtegern-Liebhaber, die Unsummen an
Geld bis an ihren Ruin aufbringen, um Phronesion imponieren und ihre
Liebesdienste in Anspruch nehmen zu können. Ähnlich einer Versteigerung
versuchen sie sich im Schenken zu überbieten und hoffen, dass der
Meistbietende den Zuschlag, d. h. Phronesion, erhält. Gemeinsam ist allen
drei ihr unersättliches Werben um die Hetäre. In ihren Charakterzügen
unterscheiden sie sich jedoch: Bei Diniarchus tritt besonders das Leiden an
der Liebe hervor. Der Offizier Stratophanes fällt durch seine tölpelhafte Arroganz auf. Im Strabax erkennt man den lebenslustigen und
unbekümmerten jungen Mann vom Lande.

Gruppenfoto nach der Aufführung in Xanten
Der eigentliche Handlungsablauf der Komödie beruht im wesentlichen auf einer
einzigen Intrige: Phronesion täuscht eine Schwangerschaft vor und und versucht,
den angeblichen Vater des Kindes, Stratophanes, einen Offizier aus Babylon, zur
Rückkehr nach Athen zu bewegen und dann zu erpressen. Stratophanes fällt
tatsächlich auf die Intrige herein und überhäuft nach seiner Ankunft in Athen
Phronesion und ihr (angebliches) Kind mit kostbaren Geschenken. Trotzdem erntet
er nicht ihr Wohlwollen und sieht sich sogar bald mit dem
Nebenbuhler Diniarchus konfrontiert, der Phronesion ebenfalls reichlich
beschenken lässt. Diniarchus war vor kurzem aus Lemnos nach Athen
zurückgekehrt und glüht noch immer vor Liebe zu Phronesion. Unsere Heldin
Phronesion weist Diniarchus aber schließlich zurück, da sie weiß, dass er nahezu bankrott ist
und nicht mehr viel von ihm finanziell in der Zukunft zu erwarten ist. Außerdem
hat sie ja noch einen weiteren Trumpf, den sie gegen Stratophanes zwecks
Gewinnmaximierung ausspielen kann: Strabax, einen Jüngling vom Lande, der
ebenfalls ein Auge auf Phronesion geworfen hat. Als im Finale Stratophanes
noch einmal mit Präsenten deutlich nachlegen will, um Phronesions Gunst doch
noch zu erlangen, tritt ebenfalls eben schon
erwähnter Strabax auf. Die beiden versuchen sich gegeneinander auszustechen.
Ein Präsent nach dem anderen fällt in Phronesions Schoß. Schließlich zeigt
sie sich angesichts so vieler Geschenke gutmütig und
lässt beide gemeinsam in ihr Haus ...

Stratophanes, Phronesion und Cyamus
Der Reiz des Truculentus allerdings liegt weniger im Handlungsverlauf,
sondern vielmehr in der teils derben Situationskomik. Die Komödie ist ein
reines Narrenstück, das von den grotesken Auftritten der einzelnen
Protagonisten lebt.
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